Gestern, 15.00 Uhr im "Casa Amarilla" (wo Schweizer Dokumente überbeglaubigt werden), Papi mit Rucksack, Mami mit Kiran im Tragetuch. Ein verschwörerischer Blick vom Beamten beim Empfang. "Ziehen Sie eine Nummer. Wenn die Dame dort frei wird, sind Sie dran." Ein energisches Winken, als wir an der Reihe sind und wir dürfen - im Gegensatz zu den anderen 30 Wartenden - am Schalter Platz nehmen. Dabei waren wir erst vor drei Minuten gekommen.
Aber der Reihe nach. Am Montag Abend fuhr David nach San José, um auf dem Migrationsamt die nötigen Formalitäten für unsere Residencia zu erledigen. (Man erinnere sich: seit Ende August sind wir hier - bis Ende November müssen die formalen Dinge geklärt sein, ansonsten müssen wir alle drei Monate für ein paar Tage ausreisen, damit wir weiterhin als "Touristen" durchgehen. Nun, natürlich hätte dieser Gang auch früher angetreten werden können... Aber das ist eine andere Geschichte.) Dienstag Nachmittag, um ca. 14.00 Uhr dann der Anruf: "Ich bin seit zehn hier und warte darauf dass es weitergeht. Keine Ahnung, wie lange noch." Drei Stunden später ein neuer Anruf: "Ich komm jetzt nach Hause und hole dich ab. Richte dich auf drei Tage in San José ein. Das dauert hier doch länger als geplant und du musst für einige Formalitäten auch dabei sein."
Wir fuhren also gestern Morgen früh um halb fünf los, um beim Migrationsamt zu sein, wenn dieses öffnet. Als wir ankamen, stauten sich vor allen diversen Ämtern schon die Menschen und warteten darauf, dass die Türen sich öffneten. Die Glasscheibe, vor der wir warten mussten, gab den Blick auf eine riesige Wartehalle frei, mit unzähligen Stühlen, offenbar systematisch nach Farben geordnet. Schon als wir ankamen, teilte sich die Warteschlange in eine lange, ungeordnete Reihe und eine kurze, in welcher offensichtlich nur Leute mit kleinen Kindern anstanden. Kurzerhand stellten wir uns auch dort an (und waren Nummer 3 - in der anderen Schlange wären wir vermutlich etwa Nummer 40 oder so gewesen). Nach kurzer Zeit öffnete sich die Tür und wir durften auf den hellblauen Stühlen Platz nehmen. Als die Reihe nach wenigen Minuten an uns war, erfuhren wir, dass noch einige weitere Dokumente benötigt wurden. Unter anderem sollten wir uns irgendwo einfinden, um unsere Fingerabdrücke abzugeben und auf einer anderen Dienststelle sollten unsere Schweizer Dokumente beglaubigt werden. Während die Dame am Schalter unsere Akte überprüfte, wurde Kiran mit Ausrufen des Entzückens überschüttet ("Ah, que lindo! - Wie süss!!"), was dieser natürlich mit strahlendem Grinsen erwiderte...
Das selbe Spiel ging auf der Polizeistelle vor sich, wo Kiran sämtliche vorbeilaufenden Polizisten unterhielt, und wie eingangs erwähnt auch auf dem Beglaubigungsbüro und ebenso auf der Bank, wo ein Depot hinterlegt werden musste. Wo wir hinkamen, wurden wir mit einem Lächeln vorgeschickt. Kiran hatte viel zu tun mit Zurücklächeln und sich von allen Seiten streicheln und kitzeln lassen (Dementsprechend lange schlief er letzte Nacht...). Um vier Uhr Nachmittags hatten wir alle Formalitäten erledigt, die an diesem Tag möglich waren. Ohne Kiran sässen wir wahrscheinlich jetzt noch auf der ersten Stelle fest!
Die Kinderfreundlichkeit in diesem Land ist wirklich extrem - und zeigt sich auch immer wieder im Alltag, wenn beispielsweise die Restaurantbesitzerin an unserem Tisch vorbeikommt und fragt, ob sie uns den Kleinen kurz abnehmen soll, damit wir in Ruhe essen können. Unglaublich! Wir können nur immer wieder staunen, wie sehr hier die Kinder überall im Mittelpunkt stehen. Und wie sehr Familien mit Kindern bevorzugt werden. Nicht auf eine übertriebene oder erzwungene Art. Sondern ganz selbstverständlich, als ob es das Natürlichste der Welt wäre. Einfach nur schön.